Grundlagen

Eine einheitliche Definition von Lean Construction existiert noch nicht. Einfach gesprochen, handelt es sich dabei um die Anwendung von Prinzipien und Werkzeugen des Lean Management auf das Bauwesen. Mit der Arbeit des GLCI soll die Basis für eine einheitliche Definition geschaffen werden.

Die Grundlage des heutigen Lean Construction hat den Ursprung im Toyota Production System. Aus diesem System heraus hat sich eine neue Perspektive auf die Produktion entwickelt. Womack und Jones haben diese Idee mit dem Buch „Die zweite Revolution der Automobilbranche“ verbreitet. Später wurde diese Entwicklung unter dem Namen Lean Management bekannt. Dabei geht es nicht nur um Methoden und Werkzeuge, vielmehr handelt es sich um eine Grundeinstellung und wird deshalb auch Lean Thinking genannt. Durch den Erfolg der Automobilbranche hat diese Philosophie heute einen großen Stellenwert in der Verbesserung von Wertschöpfungsprozessen erreicht. Die Übertragung auf das Bauwesen (Lean Construction), den Schiffsbau (Lean Ship Building), das Gesundhheitswesen (Lean Health Care) oder auf Dienstleistungsbetiebe (Lean Administration) sind nur einige Beispiele hierfür.

Mit Lean Management soll für den Kunden ein Wert generiert werden. Dabei steht die Vermeidung von Verschwendung im zentralen Fokus der Betrachtung. Durch die Reduktion einzelner Verschwendungenarten wie Wartezeiten oder Nacharbeiten wird automatisch die Effizienz gesteigert. Dies erhöht langfristig den Wert für den Kunden. Durch den Grundsatz der kontinuierlichen Verbesserung soll die nachhaltige Etablierung sichergestellt werden. Womack und Jones definieren fünf Grundprinzipien, um dieses Ziel zu erreichen:

  1. Wert definieren: 
    Der Wert eines Produkts wird aus Sicht des Kunden definiert.
  2. Wertstrom identifizieren und analysieren:
    Der Wertstrom beinhaltet alle Tätigkeiten von der Bestellung des Kunden bis zur späteren Auslieferung. Er gibt die Richtung vor.
  3. „Flow“ erzeugen:
    Die Arbeit entlang des Wertstroms muss gleichmäßig und mit einer Geschwindigkeit erfolgen. Lagerbildung, Stau und Wartezeiten müssen beseitigt werden.
  4. „Pull“:
    Die Arbeit beginnt erst, wenn die Nachfrage vorhanden ist. Somit kann keine Überproduktion entstehen. Dies gilt auch für interne Wertschöpfungsprozesse.
  5. Nach Perfektion streben:
    Ständiges Hinterfragen und Anpassen in kleinen Schritten führt zur Verbesserung und dem Streben nach der Perfektion. Dieses Prinzip wird auch Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) genannt.

In der stationären Industrie wurden zahlreiche Werkzeuge wie „5W“ bis hin zu komplexen Methoden wie „Six Sigma“ entwickelt. Einige können sehr einfach und teilweise direkt auf das Bauwesen übertragen werden. Andere Werkzeuge müssen stark angepasst werden oder sind nicht übertragbar. Auch wurden bereits neue Werkzeuge für das Bauwesen entwickelt. Das Bauwesen weist einige Besonderheiten gegenüber der stationären Industrie auf, wie z.B. wechselnde Arbeitsstätten und komplexe Vertragssituationen. Diese Besonderheiten müssen bei der Adaption berücksichtigt werden.